Neues von Steffi

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That's Life - My Life

Oder auch: Shit Happens... Was kommt, das kommt... Was solls... Passiert halt... So ist das Leben... Und mein Favorit: "Alles wird gut".

2 Jahre Post-OP

DiaryPosted by Steffi 16 Aug, 2013 23:52:23

Heute sind es genau zwei Jahre her seit meiner Sleeve-OP. 2 Jahre Post-OP bedeuten zum einen erst einmal minus 76,4 Kilo.


Zahlen
- Von 190,0 kg auf 113,6 kg.
- Von Konfektionsgröße 62/64 auf 48/50.
- Von Schuhgröße 44 auf 42/43.
- Von BH-Größe 120 D/DD auf 90 C/D.
- Taillenumfang um 12 Gürtellöcher kleiner.


Optik
- schmalere Füße, Hände und Handgelenke
- sichtbare Sehnen und Knochen
- fühlbare Knochen
- schmaleres Gesicht
- allgemein weniger Umfang


Und das wichtigste: mehr Lebensqualität
- mehr Platz auf Sitzgelegenheiten
- mehr Platz in Autos
- ich kann mich wieder in jedem Auto anschnallen
- ich kann die Beine überschlagen
- mein Bett wirkt riesig
- umdrehen im Bett ist nicht mehr anstrengend
- meine Arme schlafen nicht mehr einfach ein im Bett
- vermutlich schnarche ich nicht mehr
- ich passe durch sehr viel schmalere Türöffnungen
- man bekommt Komplimente
- man hat allgemein das Gefühl die Öffentlichkeit ist freundlicher zu einem
- ich kann Kleidung im Laden kaufen (und nicht alles nur noch übers Internet)
- ich empfinde ein Sättigungsgefühl
- seit der OP hat bisher mein Magen nicht ein einziges Mal mehr geknurrt


Rückblick

Dick war ich schon immer. Das dickste Mädchen in der Grundschule, das dickste Mädchen auf der Gesamtschule, die dickste in der Oberstufe. Wenn man allerdings die alten Fotos sieht, finde ich das gar nicht so schlimm. Alle anderen damals jedoch schon. Man wurde viel gehänselt, viel beschimpft. Es entwickelte sich kein Selbstbewusstsein und man zog sich zurück. Ist nicht draußen spielen gegangen, hatte kaum Freunde.

Man hat ständig versucht abzunehmen, Diäten zu machen. Überwiegend Weight Watchers. Meine Mutter hat immer versucht zu helfen und zu unterstützen. Diäten mit meiner Mutter zusammen, Diät mit meiner Tante zusammen. Man hat immer was abgenommen, aber nach einiger Zeit ging das Gewicht wieder rauf und wurde mehr. Der Jojo-Effekt halt.

Die Zeit in der ich bei meinen Eltern gelebt habe, war das Essen überschaubar und begrenzt. Vom Taschengeld wurde dann überwiegend weiteres Essen, Süßigkeiten und Cola gekauft. Daher nahm ich zu. Als ich 2002 das Elternhaus verließ und nach Kiel in meinen eigenen Haushalt zog, konnte ich kochen und essen wann und was ich wollte. Man isst all seine Lieblingssachen. Und davon zu viel. Immer übers Limit hinaus. Und dadurch wurde ich fett. Es war schwer für mich satt zu werden. Man hat gegessen aus Hunger, weil es gut schmeckt, weil man doch nichts wegschmeißen kann, aus Langeweile, bei Stress, aus Traurigkeit, oder heimlich.

Man hat es nicht wirklich wahrgenommen oder vielleicht sogar verdrängt, dass man immer fetter wurde. Es ist einem nicht wirklich aufgefallen, weil es ein übergangsloser Prozess war. Ich kann bis heute nicht sagen, warum ich dies zugelassen habe. Warum ich so geworden bin. Man hat es irgendwann einfach hingenommen, dass man machtlos gegen sich selbst war. Machtlos gegen sich selbst, weil man faul war, keine Disziplin hatte und irgendwann auch einfach keine Kraft mehr sich um sich zu kümmern. Ich hatte mich vermutlich irgendwann einfach aufgegeben. Ich weiß nicht wann, ich weiß nicht warum.

Ich wollte so nicht sein, weil es so einem nicht gut ging. Die Seele litt, weil man für andere nur eklig war. Die Gesundheit war in Gefahr und die restliche Lebenserwartung sank. Aber ich habe es alleine einfach nicht geschafft zu ändern.

2007 kam der erste Gedanke für eine OP. Für ein Magenband. Damals hatte ich 175 Kilo gewogen. Ich war auch bei einem Chirurgen und habe die Antragsunterlagen für die Kostenübernahme durch die Krankenkasse mitbekommen, aber ich habe gekniffen. Es mußte ohne OP gehen, ich mußte es doch auch so schaffen. Ich versuchte wieder einmal eine Diät und scheiterte, weil ich einfach nicht satt wurde. Ende 2008 folgte ein weiterer kurzfristiger Versuch und dann habe ich aufgegeben.

Im Frühjahr 2009 war ich dann wieder bei diesem Chirurgen, mit 183 Kilo, um mir neue Antragsunterlagen ausstellen zu lassen. Diesen Antrag auf ein Magenband reichte ich bei meiner Krankenkasse ein und der Antrag wurde abgelehnt.

Anfang 2010 machte ich wieder Weight Watchers und nahm 14 Kilo in drei Monaten ab. Aber ich hielt wieder einmal nicht durch und ich hatte zu der Zeit auch einfach keinen Bock mehr gehabt. Also stieg das Gewicht wieder. Ich hatte das Thema abgehakt und eine vermutliche Lebenserwartung von nur noch 10 Jahren hingenommen.

Bis zum Dezember 2010. Ich wog an die 190 Kilo, ich wollte so nicht mehr sein, ich wollte länger leben, ich brauchte Hilfe, ich wollte auf den OP-Tisch. Dies war meine letzte Chance.
Ich informierte mich im Internet, was sich so verändert hat bei der Antragsstellung und wie ich eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse bekomme. Ich stieß dabei auf das Adipositas-Projekt der Uniklinik Kiel, auf die Adipositas Selbsthilfegruppe, und auf einen recht aktuellen und neuen Begutachtungsleitfaden der Krankenkassen und die sogenannte S3-Leitlinie, in der endlich mal genauer das niedergeschrieben wurde, was man an Bedingungen erfüllen mußte. Dabei stellte ich fest, dass mein Gewicht so wahnsinnig hoch war, das ich in eine Ausnahmeregelung fiel. Vernünftig den Antrag gestellt konnte die Krankenkasse gar nicht mehr nein sagen.

Ich rief also direkt in der Adipositas-Ambulanz der Uniklinik Kiel an und holte mir einen Termin. Ich besprach das ganze Thema mit meinem neuen Chirurgen Ende Dezember und ließ mich beraten wie es weiter geht, ob eine Operation sinnvoll ist und welches OP-Verfahren angewandt wird. Mein Chirurg stimmte einer OP zu und der Entschluss fiel auf einen Schlauchmagen (Sleeve). Bei diesem OP-Verfahren wird der größte Teil vom Magen entfernt, so dass nur noch ein kleiner Schlauch übrig bleibt. Dies verändert den Stoffwechsel, man hat weniger Hunger, ist schneller satt, und nimmt weniger Nahrung auf. Es sollte auch direkt Anfang des Jahres los gehen und die Klinik kümmere sich auch um die Antragsstellung.

Durch ein paar Schwierigkeiten und Missverständnissen verzögerte sich das ganze jedoch. In dieser Wartezeit besuchte ich noch einen Aquafit-Kurs speziell für Adipöse, ging zur "Krankengymnastik am Gerät" bei einem Physiotherapeuten und besuchte ein paar Wochen eine Ernährungsberaterin. Durch die Missverständnisse seitens des Chirurgen stellte ich meinen Antrag im Frühjahr selbst und erhielt meine Kostenübernahmezusage von der Krankenkasse. Beim Anruf durch die Krankenkasse bezüglich der Zusage, mußte ich zum ersten Mal im Leben vor Freude ein wenig heulen. Auf die Kostenzusage folgte dann der OP-Termin am 16.08.2011.

Man ist dann so bekloppt und haut vorher nochmal richtig rein. Isst nochmal die vielen tollen ungesunden Sachen und große Mengen. Als ob man nie wieder was zu essen bekommt. :D

Ich war nicht aufgeregt oder in Sorge oder hatte Angst, weil es irgendwie alles nicht real war. Am 15.08.2011 checkte ich dann ein. Zimmer beziehen, Aufnahmeuntersuchungen, Narkosegespräch, OP-Aufklärungsgespräch, ekliges Abführmittel saufen. Meine Mutter ist damals extra aus Hamburg gekommen, damit ich nicht alleine bin. Denn das fand ich eigentlich das traurigste, das ganze alleine durchzuziehen.

Am nächsten Morgen war ich mit als erste dran und es ging früh los. Runter in den OP-Bereich, zunächst in die Holding-Area. Die fand ich ziemlich lustig. "Herzlich Willkommen in der Holding-Area, ich bin die XYZ. Wir verfügen hier unten über 8 OP-Säle, blabla, Zahlenblabla, usw.. Sie sind mit sieben weiteren heute eine der ersten und wir sind noch dabei alle einzusammeln. Sobald wir vollzählig sind, geht es weiter." Ab und an wird man gefragt, ob man wirklich derjenige ist, der man sein soll und wie es einen geht.

Danach ging es in den OP-Vorraum. Der Narkosearzt stelle sich vor, die Narkoseschwester stellte sich vor. Bei denen habe ich mich immer am wohlsten gefühlt. Die waren sehr nett und lieb und es wurde immer erklärt was gemacht wird und immer wieder gefragt wie es einem geht. Man wurde mit diversem Kram verkabelt und dann ging es los. Ich sollte mir noch einen schönen Traum überlegen. Ich sagte "Hauptsache wieder aufwachen". Der Narkosearzt lachte und sagte "nene, dafür sorgen wir ja schon, überlegen sie sich mal schnell was anderes". Ich wurde gefragt, ob ich bereit bin, das Narkosemittel wurde gespritzt, und weg war ich. Während der OP wurde ein Magenvolumen von 2,1 Litern entfernt. Kein Wunder, dass man nicht mehr satt wurde.

Also ich wieder aufwachte war Randale um mich. Viele Menschen und es war laut. Ich wurde angeschrien. "Frau K. hier, Frau K. da, Frau K. kommen sie hoch, nun kommen sie endlich hoch mit dem Oberkörper". Ich weiß nicht, ob die nicht raffen, dass man noch voll im Dämmerzustand ist oder ob denen das klar ist und man so angeschrien werden muß. Es stellte sich dann jedenfalls raus, dass es Alarm bei mir gab. Was alles genau mit meinen Werten war, weiß ich nicht. Aber ich spuckte Blut und habe wohl keine Luft gekriegt. Und ich sollte hochkommen, weil ich im Aufwachraum im Bett geröntgt werden sollte. Jedenfalls haben die das alles auch wieder hingekriegt und ich wurde wieder stabil, hatte dann aber ab und an nochmal Blut gespuckt.

Irgendwann war ich wohl wacher und ich kam auf die Überwachungsstation. Dort warteten bereits seit Stunden meine Eltern auf dem Flur. Weil meine Mutter den ganzen Tag keine Infos über mich bekommen hatte, machte mein Vater sich Sorgen und kam ebenfalls nach Kiel ins Krankenhaus. Als ich dort dann ankam haben meine Eltern einen schönen Schreck bekommen, weil mein Gesicht und Oberkörper überall voll Blut war. Zudem hatte ich ja noch diverse Verkabelung an mir gehabt. Meine Eltern wurden dann beruhigt, dass wieder alles in Ordnung sei. Sie saßen dann eine Weile bei mir, aber ich konnte die Augen noch nicht offen halten. Ich war zwar wach und konnte sie hören und verstehen, aber irgendwann sind sie dann gegangen. Mit mir konnte man ja halt nicht so viel anfangen. :) Der Sauerstoffkram rauschte, das Überwachungsgerät piepte, alles etwas gruselig für alle. Meine Mutter hatte dann Fotos von mir gemacht, weil ich mir das zuvor gewünscht hatte. In dem Moment kam eine Schwester rein und guckte irritiert und mein Vater sagte erschrocken zu ihr "sie wollte das so, sie wollte das so". War recht lustig.

Am nächsten Tag kam der Sauerstoffschlauch aus der Nase und die Magensonde wurde gezogen. Dann sollte es zur Kontrolle ins MRT. Auf dem Weg dahin war ich wieder am Blut spucken, so dass das MRT abgesagt wurde. Ich mußte eine weitere Nacht auf der Überwachungsstation bleiben. Das war dann das letzte Mal mit Blut spucken.

Wieder einen Tag später ging es dann ins MRT. Dafür muß man vorher Kontrastmittel trinken. Man bekommt einen riesigen Becher, den man leeren soll. Optisch war das ein ganzer Liter, in echt vermutlich nur ein halber Liter. Aber wie soll man das in einen Magen von ca. 200ml Größe bekommen? Das Zeug schmeckt so furchtbar eklig, und dann der kleine Magen, es war echt schwer davon was zu trinken. Man muss kämpfen es nicht wieder zu erbrechen. MRT war jedenfalls in Ordnung, alles dicht. Es ging dann auf das normale Zimmer.

Mir ging es gut, ich hatte keine Schmerzen, ich wartete darauf, dass die Woche um ist und ich nach Hause kann. Ich hatte nie Hunger, konnte pro Mahlzeit maximal so einen kleinen Joghurtbecher essen, mußte mich zum Essen zwingen. Zusätzlich mußte ich trinken, was mir sehr schwer fiel. Aber bevor man nicht 1,5 Liter Wasser pro Tag schafft, durfte ich nicht nach Hause. Ich wurde schnell mobilisiert, konnte aufstehen, und nach wenigen Tagen wurde der Blasenkatheter gezogen. Ich mußte also nur noch das Wasser schaffen, dann sollte es Heim gehen.

Dann plötzlich wurde meine Atmung immer schlechter. Ich hatte Schmerzen beim Atmen, so dass ich nur noch leicht und flach atmete. Es wurden dann Untersuchungen gemacht, geröntgt, Ultraschall. Und es ging wieder ins MRT. Wieder Ekelwasser trinken. Ich war die ganze Krankenhauszeit recht ruhig und nicht in Panik oder Angst. Ich hatte Schmerzen, konnte kaum atmen. Nach dem MRT setzte der Arzt sich auf meine Bettkante und erzählte mir von Wasser in der Lunge und Flüssigkeit an der Milz. Das sei alles gefährlich und muss raus. Und meine Lunge muß im Wachzustand im MRT punktiert werden. Oder aber ich warte ein paar Tage, bis ein OP-Tisch frei ist, und das ganze wird unter Vollnarkose gemacht.

In diesem Moment war es für meine Nerven vorbei. Wenn ein Arzt sich schon an die Bettkante setzt und ganz ruhig und bedacht mit einem redet, dann ist das nicht gut. Dann ist das überhaupt nicht gut. Ich bin nervlich zusammengebrochen und war am weinen und hatte Angst. Eigentlich hätte ich es nervlich im Wachzustand nicht ausgehalten, aber ich hatte so eine Angst, dass sie das sofort, egal wie, reparieren sollten. Ich wurde auf mein Zimmer gebracht und sollte eine Stunde lang darüber nachdenken. Aber die Entscheidung für sofort war für mich klar. Nach einer Stunde wurde ich trotzdem nochmal gefragt und ich bestätigte meine Entscheidung nochmal. Dann sollte ich wieder zum MRT gefahren werden und kaum aufm Flur wurde das ganze abgeblasen. Keiner wußte warum und was passiert sei, aber es ging wieder zurück ins Zimmer.

Kurz darauf wurde ich wieder abgeholt und man sagte mir ich soll zur Magenspiegelung. Zum Glück unter Vollnarkose. Leider war ich nicht schnell genug weg und die legten schon los und vor Schreck bekam ich Nasenbluten. Wieder Hektik um mich rum, alles rot, und weg war ich. :D Ich muss sagen, das war das geilste Narkosemittel überhaupt. Als ich aufwachte war alles so ruhig und hui und schön und mir ging es so gut. Allerdings setzte der Arzt sich dann wieder auf die Bettkante und erklärte mir, dass ich nun sofort operiert werde. Er habe sich nochmal mit den Chefärzten beraten und die Gefahr irgendwelche Infektionen durch die Lunge zu ziehen, beim Milz durch die Lunge punktieren (fragt mich nicht) sei zu groß. Es müßte jetzt so schnell wie möglich operiert werden, sie müßten nur noch das Team zusammen kriegen. Dies war genau eine Woche nach der ersten OP.

Mir war das alles so egal in dem Moment, ich war noch so high und mir war so wohlig. Mir war nur wichtig, dass jemand aus der Familie informiert wird. Das hat er dann persönlich übernommen. Meinen Vater nicht erreicht, meine Mutter nicht erreicht, Festnetz nicht erreicht, meine Schwester nicht erreicht, niemanden erreicht. Tjoar. In dem Moment rief dann wohl meine Mutter zurück, weil sie eine Kieler Nummer auf ihrem Handy hatte. Panik bei meinen Eltern. Der Arzt sprach dann mit meiner Mutter und sie erzählte mir später, dass sie ihn gefragt hatte, ob sie sich Sorgen machen müssen. Die Antwort von ihm hatte ich selbst mitgekriegt. Er sagte zu ihr "ja, da sollten sie sich Sorgen machen". :D Finde ich etwas hart sowas direkt zu sagen.

Jedenfalls ging es dann in den OP und es dauerte noch ziemlich lange, bis das Team zusammen war und operiert wurde. Das Narkoseteam war wieder super lieb, ich war wieder total ruhig, und einfach beruhigt das nichts im Wachzustand gemacht wird. Im Aufwachraum aufgewacht bin ich ohne Drama, neben mir lag sogar eine Bekannte aus der SHG. War recht lustig in dem Moment. Und ich konnte atmen. Das war ein schönes Gefühl. Mir wurde später erzählt, dass mir um die zwei Liter Wasser aus der Lunge geholt wurden. Der linke Lungenflügel sei zwar minimal für immer beschädigt, aber dies sei nicht schlimm, damit kann man leben. Zu dem Zeitpunkt hatte ich noch in meiner Seite einen Schlauch in die Lunge und eine Flasche neben mir.

Es ging wieder für eine Nacht auf die Überwachungsstation, danach auf die normale Station, und nach insgesamt zweieinhalb Wochen ging es endlich nach Hause. Die Muskeln haben total abgebaut, in den zweieinhalb Wochen hatte ich schon 16 Kilo abgenommen, ich hatte Kreislaufprobleme beim Duschen, man mußte erst einmal wieder fit werden. Aber es ging mir gut.

Nach weiteren zweieinhalb Wochen ging es dann wieder zur Arbeit. 8 Stunden im Büro sitzen war sehr anstrengend und den Freitag Feierabend habe ich erst einmal ein Nickerchen gemacht. Als ich aufwachte und einkaufen wollte, mußte ich ständig Husten. Es wurde so schlimm, dass ständig ein Würgreiz hinzu kam. Ich mußte mich mehrfach übergeben und Husten und spuckte Blut. Ich wollte nicht ins Krankenhaus, rief meine Freundin an. Die überredet mich zumindest beim Notarzt anzurufen. Der Notarzt schickte mich ins Krankenhaus und meine Freunde fuhren mich in die Notaufnahme. Das dauerte alles wie gewohnt ewig und gegen halb eins in der Nacht nahm man mich mit Fieber stationär auf. Ich hatte eine versteckte Lungenentzündung.

Eine Woche lang behielten sie mich dort. Eine Woche lang bekam ich Antibiotika über den Tropf. Eine Woche lang wurde fast täglich meine Lunge geröntgt. Mir ging es eigentlich gut und es war total öde, aber man sagte mir die Lungenentzündung sei so stark bei mir, dass bei meinem Gewicht Tabletten nichts bringen. Nach ein paar Tagen wurde ich auch pissig und blöd zu einer Schwester. Dieses dort nicht schlafen können und die Langeweile und der Krankenhausalltag zerrten an meinen Nerven. Nach der Woche ging es dann aber auch wieder nach Hause und mir ging es gut.

Einige Monate lief alles normal und problemlos. Man lernte zu Essen und zu Trinken, man nahm ab. Im Frühjahr 2012 hatte ich plötzlich abends wahnsinnige Schmerzen im Brustkorb bis in den Rücken. Drei Stunden lang betäubende Schmerzen. Ich wollte nicht ins Krankenhaus, ich war aber nicht mal in der Lage Hilfe zu holen. Ganz plötzlich wie die Schmerzen da waren, waren sie auch wieder weg. Wenige Monate später hatte ich wieder diese Schmerzen, aber nur eine Dreiviertelstunde lang. Wieder ein paar Wochen später, an einem Freitag, hatte ich schon auf der Arbeit leichte Schmerzen. An dem Tag wollte ich eigentlich nach Hamburg auf ein Konzert. Von Stunde zu Stunde wurden die Schmerzen schlimmer. Ich hatte mich zum losfahren fertig gemacht und als es auf nach Hamburg gehen sollte, waren die Schmerzen wieder unerträglich. Ich fuhr also statt aufs Konzert in die Notaufnahme. Viele Stunden lag ich da und habe gewartet. Heraus kam, dass ich kleine Gallensteine habe und die Gallenblase entzündet ist. Die Schmerzen alle paar Wochen kamen von wandernden kleinen Steinchen. Sie wollte mich direkt dort behalten, ich bin jedoch nochmal nach Hause gefahren, habe ein paar Sachen gepackt und bin dann am Samstag wieder für ein paar Tage ins Krankenhaus gegangen. Dort wurde die Entzündung behandelt und für November ein OP-Termin angesetzt. Im November 2012 wurde meine Gallenblase dann entfernt, ich war wieder eine Woche im Krankenhaus.

Normalerweise geht eine Gallenblase durch falsches, zu vieles, zu fettiges Essen kaputt. Bei mir ging sie durch die wesentlich kleineren Mahlzeiten und das weniger und seltener essen kaputt. Und weil ich gleichzeitig viel zu wenig trinke. Dadurch wird die Gallenblase nicht richtig gespült und die Steine entstehen. Seit sie nun raus ist, hatte ich mit nichts mehr Probleme und war nicht mehr in der Notaufnahme.


Warum das Ganze?

Mir war bewußt, dass so eine OP diverse Risiken, Gefahren und Konsequenzen mit sich bringt. Risiken und Gefahren vom kleinen Bauchzwicken bis hin zum OP-Tisch-Tod. Ich bin bewußt diese Risiken eingegangen. Ich habe es nicht geschafft alleine und ohne Hilfe abzunehmen. Ich hatte die Wahl zwischen "noch ca. zehn Jahre leben" oder "den Schritt wagen, egal was passiert". Ich hatte keine Angst davor, es war meine letzte Chance.

Als es mir mit meiner Lunge so schlecht ging und es in Richtung Not-OP ging, habe ich meinen Schritt bereut. Ich habe die ganze Magen-OP sowas von bereut. Ich habe mich gefragt, warum ich mir das nur angetan habe. Ich habe mich dafür gehasst, dass ich es nicht alleine geschafft habe. Das ich so ein Loser bin.

Seit es mir aber wieder gut geht, bereue ich rein gar nichts. Es war der richtige Weg und die schlimmen Zeiten sind total vergessen. Klar weiß ich, dass es sie gab, sonst könnte ich davon nicht erzählen, aber ich habe das schlimme Gefühl nicht mehr in Erinnerung. Es gibt einige, die es schlimmer erwischt hatte als mich. Sie haben mich schnell und gut wieder hinbekommen, ich bin noch am Leben, und im Nachhinein fragt man sich, ob das ganze alles vielleicht gar nicht so ein Drama war, wie man es empfunden hatte.

Allerdings ist so eine OP kein Wunderzauber. Es ist eine Hilfe. Eine Hilfe nicht ständig Hunger zu haben, eine Hilfe ein Sättigungsgefühl zu empfinden. Fürs dauerhafte Abnehmen und "niedrige" Gewicht halten ist man selbst verantwortlich. Man muss trotzdem Sport treiben, man muss trotzdem seine Ernährung ändern, man muss sich trotzdem kontrollieren und disziplinieren. Denn die „schlechten“ Sachen wie Süßigkeiten, Knabberkram und süße Getränke gehen leider immer gut zu essen. Wenn man das nicht unter Kontrolle hält, nimmt man nicht ab oder wieder zu. Ebenso kann man seinen Magen auch wieder weiten, wenn man zu viel isst. Das er wieder etwas größer wird als direkt nach der OP ist normal, aber man kann es auch hier wieder übertreiben. Auch durch das ständige essen, das sogenannte Grasen, nimmt man nicht unbedingt wieder ab oder zu.

Das "automatische" Abnehmen ist bei mir nun vorbei. Nun liegt alles bei mir. Seit vier Monaten habe ich einen Stillstand. Ich bin verantwortlich fürs Sport treiben, ich bin verantwortlich für keine Ausartung der Mahlzeiten, ich bin verantwortlich für meine Süßigkeiten. Nun liegt es alles bei mir weiter abzunehmen oder zumindest nicht wieder zuzunehmen.


Bin ich nun glücklich?

Nein das bin ich nicht. Zum glücklich sein gehört noch einiges mehr, als "nur leichter" zu sein. Arbeit, Finanzen, soziales Umfeld, nicht einsam sein.
Aber mit meinem Sleeve-Projekt, mit Steffi 2.0, bin ich zufrieden. Ich weiß, dass ich mit sehr viel mehr Disziplin mehr Gewichtsverlust hätte schaffen können, aber das was ich erreicht habe ist mehr als ich mir jemals vorstellen konnte. Ich habe ein Gewicht erreicht, was ich in meiner Erinnerung nicht mehr kannte. Ich wiege weniger, als zu meinem Schulabschluß der 10. Klasse. Ich habe mehr Lebensqualität erreicht. Nun ist es die Herausforderung nie wieder zuzunehmen. Wenn ich noch weiter abnehme, was halt bei mir liegt, wäre das super. Aber Hauptsache ich nehme nie wieder zu. Wenn das Gewicht so bleibt, wäre das okay für mich. Ich finde mich so okay. (Bis auf den Restwabbelkram, aber das ist eine andere Baustelle. ;) ) Trotzdem schauen wir mal, ob nicht noch was geht. Wie gesagt, es liegt bei mir.

Nächste Woche habe ich meine letzte Nachsorgeuntersuchung in der Uniklinik. Und damit werde ich das Projekt dann auch abschließen. Alte, neue und weitere Projekte und Baustellen stehen parat.

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