Neues von Steffi

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That's Life - My Life

Oder auch: Shit Happens... Was kommt, das kommt... Was solls... Passiert halt... So ist das Leben... Und mein Favorit: "Alles wird gut".

Die Mauer muss weg

DiaryPosted by Steffi 15 Jul, 2012 23:11:03

Sagen meine Eltern.
Bei meinen Eltern.
Und zwar diese beiden Wände hier:

Anfang der Woche wurde ich somit von meinen Eltern für Samstag zum Wand abreißen eingeladen. Dort bin ich dann gestern Mittag mal wieder hingefahren. Ich fahr da gerne hin, weil ich an sich gerne Auto fahre. Gucken was so links und rechts an der Autobahn/Bundesstraße/Landstraße ist. Die Felder, die Dörfer, die schönen Häuser überall. Irgendwie mag ich dieses dörfliche wohnen. Eine ganz andere Welt als in der Großstadt. Kiel ist ja schon mal ein Unterschied zu Hamburg. Aber so Stadtrandlage oder ganz kleine Orte, finde ich irgendwie noch schöner als Kiel. Aber ich weiß nicht warum.
Dieses Mal habe ich sogar eine Straußenfarm gesehen, wo die Tiere draußen rumliefen. Da ich niemanden hinter mir hatte, bin ich extra langsam dran vorbei gefahren, um zu gucken. :) Ich bin halt ein Stadtkind und sowas ist dann was besonderes. Auf einem anderen kleinen Stück Land waren an die 15 Lämmer. Auch putzig. Und auf dem Rückweg war eine Stretchlimo auf der Autobahn. Mit 150 km/h. Ich sag ja, viel zu sehen für mich. :)

Als ich bei meinen Eltern ankam hieß es dann, dass die Ziegelsteinwand nun doch nicht weg soll. Mein Vater hatte versucht die Fugen raus zu meißeln und da tat sich nichts. Sie nehmen daher nun ein 12cm kürzeres Wohnzimmer hin, verputzen und streichen die Wand, und stellen eh Bücherregale davor. Ich selbst finde diese Dekowand ja ganz nett. Meinen Eltern gefällt sie nicht. Und es macht den Raum dunkel.

Die helle Wand sollte aber weiterhin weg, um einen Durchbruch zwischen Küche und Wohnzimmer zu schaffen. Das sollte meine Aufgabe für den Tag sein.
Unser Wissensstand war, dass es keine tragende Wand ist und nachträglich eingebaut wurde, das auf der Küchenseite Rigipsplatten sind, das auf der Wohnzimmerseite Putz ist, und das quer durch die Wand Stromkabel verlaufen. Wir wußten allerdings nicht wo das/die Kabel verlaufen und auch nicht wie dick die Wand denn überhaupt ist. Wir haben dann an einer Stelle 10 mal 10cm freigemeißelt und schon mal festgestellt, dass dazwischen noch Betonsteine sind. Und wir haben das Stromkabel gefunden, dass zwei Zentimeter neben dem ersten Meißelschlag lag. -.-

Mein ursprünglicher Plan war die Rigipsplatten mit der Brechstange zu entfernen, den Putz auf der anderen Seite runterhauen und dann von oben an die Steine dazwischen freimeißeln und abtragen. Ich wollte dann loslegen und da hieß es dann erstmal von meinem Vater, dass ich Handschuhe anziehen soll. Also Handschuhe geholt und angezogen. Dann hieß es, dass ich eine Schutzbrille tragen soll. Also Schutzbrille geholt, aufgesetzt und wieder abgesetzt, weil die sofort beschlug. Eine andere Schutzbrille bekommen, die ging erst, beschlug dann aber auch irgendwann. Jedenfalls durfte ich dann endlich mal machen.

Die Küchenseite hatte ich dann ganz schnell frei gelegt. Mein Vater hat ganz erstaunt zugeschaut. Dem ging es nicht so gut. Meine Eltern sind körperlich einfach kaputt. Aber ich hatte es ihnen ja vorher gesagt, nur Eltern hören ja nicht auf ihre Kinder. Genauso wie Kinder nicht auf ihre Eltern hören. Aber ich war von Anfang an der Meinung, dass die sich zu viel vor genommen haben, was sie körperlich gar nicht können. Und schon gar nicht in der Zeit. Die sind einfach am Ende. Das Dach ist noch lang nicht fertig und mein Vater ist sehr gefrustet. Er erzählte mir, dass es gar nicht mal ist weil er so langsam ist oder weil er alles alleine macht, sondern weil das Wetter nicht mitspielt. In der ersten Woche, wo die ganzen LKWs kamen und wo an einem Tag viele Dachhelfer da waren, war gutes Wetter. Seit er alleine mit dem Dach weiter macht regnet es ständig. Das Dach ist auf und vor Regen mit großen Planen geschützt. Für beide Dachseiten sind das mehrere Planen, die mit Seilen und Nägeln auch noch Wind geschützt werden müssen. Um am Dach weiter arbeiten zu können müssen die Planen entnagelt werden. Das ganze dauert dann immer so eine halbe Stunde. Er erzählte mir, dass es ein zwei Tage zuvor grad mal länger trocken war und er das Dach freigelegt hat, und grad als er die Folien weg hatte, fing es an zu regnen. Er saß dann im Regen weinend auf dem Dach. :-/ Wenn man das als Tochter hört, weiß man wirklich nicht was man da sagen oder machen soll.

Jedenfalls war die Küchenseite frei und mein Vater wollte nun noch wissen wie dick denn die Wand eigentlich ist. Ein 12cm Nagel kam auf der anderen Seite nicht raus. Der Standardmeißel der Bohrmaschine reicht auch nicht bis auf die andere Seite. Also hatte er den 50cm Bohrer genommen und wir hatten rausgefunden, dass die Betonsteine 30cm dick sind. :-/ Tja, nun hatten wir das Problem, dass wir nicht wußten wie wir die Wand nun wegkriegen sollen. Mit dem Putz auf der anderen Seite weiter machen ging auch nicht. Er ließ sich nicht mit Hammer und Meißel abschlagen und auch mit der Maschine wollte der nicht runter. Schöne Scheiße.
Mein Vater ist dann in den Baumarkt gefahren und hat einen Vorschlaghammer geholt. Damit haben wir dann auf die Wand eingekloppt. Aber es regte sich nichts. Dann hat er den von mir freigelegten kleinen Betonstein rund um mit durchgehenden Bohrlöchern versehen und wollte ihn dann mit dem Hammer raus schlagen. Hat nichts gebracht. Auch mit weiter frei meißeln wollte der Stein sich nicht regen. Dafür wurde die Maschine immer heißer.
Wir kamen nicht weiter und wußten auch nicht so wirklich weiter. Lief mal wieder nicht nach Plan. Der Plan war ja ich kümmer mich um die Wand und mein Vater macht weiter das Dach. Hab dann meine Freundin angerufen, ob die eventuell eine richtige Maschine hätten. Hatten sie leider nicht. Dann ist mein Vater wieder zum Baumarkt zum Maschinenverleih und hat ordentliches Gerät besorgt. Einen Stemmmeißel mit ordentlich Power. Und ordentlich Gewicht. Ich konnte die Maschine zwar anreichen, aber ich hätte damit keine Wand weg machen können. Mein Vater mußte sich auch einen Gürtel zur Hilfe nehmen, den er sich um die Schulter legte, um die Maschine halten zu können. Ca. ein Sechselt der Wand hat er dann damit weg gemacht. Ich habe immer den Schutt eingesammelt und nach draußen zu den Schutthaufen gebracht.

Nun wollte er es wissen und hat wieder den Hammer in die Hand genommen und fing an auf die oberen Steine einzuschlagen. Und zu unserer positiven Überraschung bewegte sich da was. Er hat dann seinen ganzen Frust und seine ganze Wut daran ausgelassen und die Steine fielen. Er hat sich so gefreut und das hat ihm einen positiven Kick gegeben. Ich war für den ganzen Schutt zuständig, während er die Steine rausschlug.

Späten Nachmittag haben wir dann eine Pause gemacht. Zwei Drittel Wand waren weg. Meine Mutter hat Grillhähnchen mit Pommes besorgt. Gott, ich habe seit über ein Jahrzehnt kein Brathähnchen gegessen. Das roch so geil und schmeckte so geil. Auch die Pommes waren geil. Hab zwar nur ein wenig Hahn essen können und ganz wenig Pommes, aber der Geruch und der Geschmack waren ein ganz großes Erlebnis für mich. XD
Allerdings hätte man keine Pause machen sollen, denn es war schwer wieder aufzustehen. Die Muskeln hatten sich nämlich entspannt und taten beim nun wieder bewegen etwas weh. Mein Vater hat zwei weitere Steinreihen abgeschlagen und ich kam mit dem Steine und Schutt wegbringen gar nicht mehr hinterher. Langsam ließen auch die Kräfte nach. Mein Vater hat dann noch schnell die Maschine wieder zurück gebracht, so dass wir nur 20 Euro für die drei Stunden zahlen mußten fürs ausleihen. Dann hat er noch die letzten Steine gelöst, ich habe den letzten Schutt weg gebracht, und dann haben wir noch sauber gemacht. Der blöde Staub hat sich im ganzen Haus verteilt. Ich war natürlich auch voll. Alles in Nase, Ohren, Haare. Bei einer Schutttour regnete es leicht, so dass der Staub in den Haaren nach dem trocknen fest wurde. Zum Glück konnte man das unter leichten Schmerzen rausbürsten. :D

Und den ganzen Kram (den weißen) habe ich eingesammelt, rausgefahren und im Garten abgeladen:

Ach ja, die freigelegte Verkabelung sah schon recht wild aus. Als nach und nach die Steine weniger wurden, haben wir festgestellt, das an diversen Stellen die Kabel schon gekappt waren. Und wir haben uns vorher immer so viel Sorgen gemacht, wo denn hier Strom drauf ist. In der ganzen Wand gab es keinen Strom.

Also, lange Rede, kurzer Sinn, die Wand sollte weg und sie ist nun weg. Acht Stunden hat das komplett gedauert. Und meine Eltern freuen sich sehr über den tollen Durchbruch. Es macht den Raum auch etwas heller. Danach saßen wir noch etwas auf der Terrasse. Mein Vater hat sich noch bei mir bedankt und das ich ordentlich was getan habe und das er das nicht von mir gedacht hätte. Und das er gesehen hat, dass es mir gar nicht schwer fiel. Und es war auch so, dass es mich nicht schlimm angestrengt hat. Das war auch für mich wieder ein positives Erlebnis. Ohne Schwierigkeiten körperliche Arbeit tun. Und ich hatte sogar richtig Spaß an der ganzen Sache. Und das meine ich ernst. Ich hatte nicht den Drang viel lieber zu Hause auf der Couch zu sitzen oder den Gedanken "oh Gott, wann sind wir endlich fertig". Auch stand/lief ich ja die ganze Zeit und mir taten die Füße nicht weh oder sonst irgendwas. Nein, es hat mir wirklich Spaß gebracht. Jeden Tag muss ich es aber auch nicht haben, auch wenn es wieder ein lustiger Tag war. ;)

Auf dem Rückweg spät Abends bin ich dann noch bei Freunden vorbei und habe die vollgequatscht. :D Ich war schon etwas k.o. und gegen drei bin ich dann seeeehr müde ins Bett gefallen. Heute Morgen konnte ich mich im Bett dann nicht mehr bewegen. Mir tat alles weh.

Schadensbericht:
- Bluterguß auf dem Oberschenkel
- geschwollener Zeigefinger (glaube den habe ich mir geklemmt)
- Muskelkater in den Ober- und Unterarmen und Händen, vor allem rechts
- Muskelkater in Nacken, Schultern, Rücken, Seiten
- Muskelkater im linken Oberschenkelgelenk
- irgendein Aua in der Handfläche

Da ich aber mal zur Toilette mußte, mußte ich ja irgendwann mal aufstehen. :) Ist man erstmal aufgestanden, ist es gar nicht mehr so schlimm. Klar, ich habe Muskelkater, aber ansonsten geht es mir gut. Mit Schwund ist halt zu rechnen und wo gehobelt wird, fallen Späne. ;) *sülz* Blöd nur, dass das Wochenende nun auch schon wieder vorbei ist.

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